Finanzkrise – Ehekrise – Sinnkrise – Krise unserer Gesundheit oder im Beruf …

Krisenherde entstehen weniger an den Finanzen, durch die Ehe oder den schwierigen Chef. Unsere Einstellung („Ich glaub, ich krieg die Krise“) ist oft maßgeblich und führt uns in Spannungen zwischen dem Wollen und Können, dem Wunsch und der Wirklichkeit, der Pflicht und der Kür, dem Ist und dem Soll, unserem Glauben und unserem Unglauben… Da entscheidet sich dann in unserem Kopf (wo sonst?) wie wir denken und fühlen und handeln. Eigentlich beginnt dort die Krise.
Auch wenn sich Krisen in der Lebensmitte offenbar häufen, gibt es sie natürlich in jedem Lebensalter. Darum ist dieser Auszug aus einem Seminarthema von mir ein Angebot für Jung und Alt. Zum Lesen und Beherzigen. Zum Bedenken und Ausprobieren. Zum Reifen…

 

1.Reifen in Der Krise durch neue Selbsterfahrungen

1.1 Erkennen und Annehmen der Krise
Ein Sprichwort sagt „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“. Das erfordert auch Mut zuzugeben, die Krise evtl. selbst herbeigeführt zu haben. Leugnen hilft nicht. Schuldzuweisung auf andere ist auch nicht die Lösung. Es ist wichtig, über die bestehende Problematik zu sprechen, Worte für den Zustand – auch unseren Gemütszustand und unsere Gedanken – zu finden.
1.2 Umdenken und neue Ziele anvisieren
Setze dir auch in einer Krise ein Ziel: eine neue Sicht, ein neues Verhalten, neue Hoffnung. Manchmal müssen wir nämlich den eigenen Standpunkt ändern, um neues Land einzunehmen, vielleicht als neue Sicht von Menschen und Möglichkeiten. Übrigens: Manchmal gehört mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
1.3 Neu beginnen und kleine Schritte gehen
Wir brauchen Geduld, denn auch kleine Schritte führen zum Ziel. Entwicklung ist selten ein plötzlicher Wandel. Und gewonnene Einsichten umzusetzen, ist der schwere Weg von der Theorie zur Praxis. Aber wer gar nicht erst losgeht, wie will der neues Land einnehmen? Oder Erfahrungen mit Gott machen? Auch die erfordern unsere Bewegung.


2. Reifen in der Krise durch neue Erfahrungen mit seinen Mitmenschen

2.1 Die Hilfe anderer erleben
Jeder hängt mal durch und braucht die anderen. Ich brauche dich. Und irgendwann ist es vielleicht andersrum. So funktioniert soziale Gemeinschaft. Hast du Freunde, auf die du zählen kannst? Dann danke Gott, denn es gehört zu den wichtigsten Geschenken des Lebens. Und anders herum gefragt: Kann man sich auf dich verlassen?
2.2 Das besondere Angebot der Seelsorge
„Einer trage des anderen Last“ (Gal 6,2) kann ein Leitvers für Seelsorge sein, für das Gespräch miteinander, in dem man hinhört, mitdenkt, betet, berät, ermutigt, auch mal korrigiert. Seelsorge ist dabei nie „Minitherapie“, sondern geistliches Handeln. 1. Thessalonischer 5, 14f gibt uns weitere Hilfe für Seelsorge in Krisen des Lebens.
2.3 Die Hilfe anderer nicht bekommen
Das ist dann nicht nur „dumm gelaufen“, sondern enttäuschend und ernüchternd. Aber diese negativen Erfahrungen machen wir alle irgendwann, dass wir bei anderen keine Zeit, kein Verständnis, keine Hilfe finden. Und dann? Absturz in die nächste Krise? Besser ist es, wenn wir diese Erfahrung als neue Chance sehen und nutzen, selbständiger zu werden, unabhängiger. Möglich ist´s!


3. Reifen in der Krise durch neue Glaubens- und Gotteserfahrungen

3.1 Geistliche Entwicklungen beachten
Von der Bedrängnis über Bewährung und Geduld zu neuer Hoffnung. Das waren die Schritte bei Paulus (Römer 5, 1ff). Sie sind damit nicht automatisch unsere. Aber da Gott der Gleiche ist, wird er uns seine Hilfe auch nicht entziehen. Das kann dann bei jedem anders aussehen. Jakobus z.B. nennt einen etwas anderen Ablauf geistlicher Schritte (Jakobus 1, 1-4). Und nicht vergessen: Vergebung zu erbitten und zu gewähren ist auch ein geistlicher Schritt, um Krisen zu überwinden. Einschließlich ihrer Auswirkungen auf unsere Gottesbeziehung: Matthäus 6, 14f!
3.2 Gott vertrauen
Gott kann! Und zu ihm gibt es keine Alternative. Trauen wir ihm also viel zu. „Senfkorngroßer“ Glaube reicht (Matthäus 17,20). Gott kann. Gott wird. Aber auf seine Art und zu seiner Zeit. Ehrlicherweise müssen wir aber auch bedenken, dass wir ihm oft massiv ins Handwerk pfuschen, dass er uns machen lässt, denn „was der Mensch sät, das wird er ernten“ (Galater 6,7). Gott könnte manchmal viel mehr tun, wenn wir ihm die Chance dazu lassen würden.
Da mag sich manchem die Frage nach dem Gottesbild stellen. Sind wir von seiner Kraft (dem Wirken des Heiligen Geistes) und seiner Souveränität noch überzeugt? Trauen wir auch Gottes Wort noch zu, dass es uns verändern kann? Wieder beginnt es im Kopf, denn dort entscheiden wir über unser Tun.
3.3 Beten und Handeln
Beides gehört zusammen. Wie beim Rudern auf dem See. Wer dabei nur auf einer Seite aktiv ist, kreist herum und kommt nicht von der Stelle. Aber nicht nur Arbeiten (ich meine hier nicht den Beruf, sondern unser Mittun lt. 1.1. – 1.3.) bedeutet aktiv zu sein, sondern auch unser Gebet. Es ist nämlich Reden und Hören. Stille vor Gott bedeutet nicht, tatenlos rumzusitzen, sondern zu hören und dann zu tun, was er uns aufträgt. Das ist Arbeit!


Fragen zum weiteren Nachdenken:

Wie und wo habe ich mit Gottes Hilfe zuletzt eine Krise überwunden?
Welche Spannungen setzen mich aktuell oder häufig unter Druck?
Wo nehme ich bei mir selbst ungute Reaktionen wahr, die einen Konflikt eher verschärfen?
Wie ist „Leben zu Gottes Ehre“ auch in mancher Krise möglich?
Ich würde mich freuen, wenn diese Impulse dem einen oder anderen eine Hilfe sind. Ansonsten stehe ich gern zu persönlichen Gesprächen zu Verfügung.

Harald Petersen

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