Kommt der Ausdruck vom Bogenschießen oder vom Dartsport? Dort ist die Mitte zwar nicht golden, aber sie bringt die meisten Punkte. Die Redensart von der goldenen Mitte geht bereits auf antike Wendungen zurück und bezeichnet meist den idealen Mittelweg zwischen zwei Extremen; also einen Kompromiss. Zwischen Einzelkind und kinderreich liegt man mit 3 Kindern vielleicht richtig. Zwischen einem Altbau für 150.000 € und einer Villa für 450.000 € könnte man für 300.000
€ weise bauen oder eine Immobilie kaufen. Menschen in der Lebensmitte liegen auch zwischen Extremen, aber sie können das nicht wählen. Man(n) wird älter, Frau auch, unweigerlich und trotz Lifting. Hinter uns liegt die „selige“ Kindheit und vor uns die unbestimmte 3. Lebensphase mit ihren offenen Fragen. Und wenn wir es anders betrachten? Neben uns bzw. mit uns leben die, die jetzt Kind, Jugendlicher und junger Erwachsener sind und auf der anderen Seite, manchmal nur ein Stockwerk höher, die „Alten“. Keine Sorge, ich meine das nicht bös‘, denn ich gehöre ja selbst seit ein paar Jahren zur Gruppe jenseits der 60. Extrem sind die 1. und die 3. Generation eigentlich nur vom Alter, ansonsten meist völlig normal. Wohltuend. Herausfordernd. Überraschend.


Aber zwischen den Generationen gerät man manchmal unter Druck:

  •  Man versucht zu vermitteln und versteht manches selbst nicht mehr oder noch nicht.
  • Man wird gebraucht, denn die einen sind noch auf dem Weg ins Leben und die anderen dabei loszulassen.
  • Man kann es manchmal beiden nicht Recht machen.
  • Man möchte auch nicht nur für die anderen leben, sondern selbst Wertschätzung und Sinn erleben.

Wie geht es dir in dieser Lebensphase?
Ob unsere Lebensmitte wirklich golden ist, lassen wir zunächst mal offen. Das muss jeder für sich persönlich beantworten. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle, denn golden setzen wir ja irgendwie mit „Glücklichsein“ gleich, oder? Und das sind wir nicht immer.
Die anderen übrigens auch nicht. Fragt mal eure Kinder oder Eltern.
Wo und wie können wir punkten, wenn wir zur mittleren Generation der 30- bis 55-Jährigen gehören? Was ist unser Auftrag? Treffen sollen wir!

  • Mit Worten der Liebe.
  • Mit nachvollziehbaren Entscheidungen.
  • Mit weiser Diplomatie.
  • Mit dankbarem Lebensstil.
  • Mit barmherzigen Taten.
  • Mit ansteckender Zuversicht.
  • Mit vorbildlichem, authentischem Glauben


Stopp, denn je mehr ich aufschreibe, desto unruhiger werde ich, weil das Bild vom Menschen in der Lebensmitte plötzlich immer perfekter wird. Das kann´s auch nicht sein.
Am meisten punkten wir, wenn wir ehrlich sind. Wir sind ja immer Vorbild, aber nicht immer ein gutes, sondern manchmal leider auch in dem, was nicht zum Vorzeigen war. Auch dann lernen Kinder von uns. Aber wenn wir auch über unser  Versagen reden, gewinnen wir. Wenn wir nicht zu stolz sind, uns zu entschuldigen. Wenn Wort und Tat zusammenpassen. Wenn wir „immer schön menschlich“ bleiben. Wir punkten, wenn man uns abspürt, dass wir im Hier und Heute inneren Frieden haben, statt Vergangenem nachzutrauern oder Zukünftigem ängstlich entgegenzusehen. „Menschen in den besten Jahren haben die schönsten Jahre schon hinter sich“, sagte mir jemand. Wer so denkt, leidet und kommt vielleicht in eine Krise, wie ich an anderer Stelle in diesem Heft ausführen werde. Krisenzeiten sind aber keine Friedenszeiten. Für Krisen gibt es auch keine anerkennenden Punkte.
Aber geht es überhaupt ums Punkten wie beim Sport? Eigentlich nicht, denn sonst sind wir permanent unter Leistungsdruck
und Zugzwang. Allerdings: Einem gewissen gesellschaftlichen und manchmal auch geistlichen Druck kann man sich schwerlich entziehen.
Dass Gott sein Anliegen bei uns auf den Punkt bringt, ist wichtig. Er versucht es durch seine alte und immer neue Botschaft, z.B. durch den Apostel Petrus: „Ihr betet zu Gott als eurem Vater und wisst, dass er jeden von euch nach seinem Verhalten richten wird, und zwar ohne jedes Ansehen der Person. Deswegen führt euer Leben in Gehorsam und Ehrfurcht vor Gott, solange ihr noch nicht am Ziel seid. Denkt daran, was es Gott gekostet hat, euch aus der Sklaverei der Sünde zu befreien,
aus einem sinnlosen Leben, wie es schon eure Väter geführt haben. Christus hat euch losgekauft, aber nicht mit Gold oder Silber, sondern mit seinem eigenen kostbaren Blut.
(1. Petrus 1, 17-19a; Hfa).

Harald Petersen, Pastor

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