Früher begleitete man im Gottesdienst die Lieder auf der „Psalmenpumpe“, wie scherzhaft das alte Harmonium genannt wurde. Heute nutzt man ein Klavier, einen Flügel, eine Orgel oder ein E-Piano. Gut gespielt, klingen sie alle prima. Wir haben in unserer Gemeinde erfreulich viele Pianisten. Echte Könner und Neueinsteiger. Und selbst die haben ?s besser drauf als ich, denn Klavier kann ich nicht. Ich staune manchmal, wie man mit zwei Augen so viele Noten gleichzeitig richtig erkennen und dann am Instrument umsetzen kann.


Ein komplexes Notenwerk, z.B. ein klassisches Stück von Bach oder Beethoven, bedeutet doch eigentlich viel Unfreiheit, oder? Jede Note ist vorgeschrieben! Auf den Bruchteil einer Sekunde ist festgelegt, wann der Musiker die entsprechende Taste drücken und wieder loslassen muss. Pausen sind zu beachten, Lautstärke, Tempo, Tonart usw. Aber wenn ein Pianist das Musikstück beherrscht, erreicht er eine ungeahnte Stufe der Freiheit. Er gewinnt die Freiheit, das Stück zu interpretieren, zu gestalten. Wenn er das Stück verinnerlicht hat, kann er mit einer unbeschreiblichen Leichtigkeit über die Töne gleiten wie ein Surfer über die Wellen. Absolut erstaunlich.

Freiheit. Bist du frei? Bin ich, sind wir frei? Ja und nein ...
Wann ist ein Mensch unfrei? Unfrei ist z.B., ... wer in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, wie z.B. Patienten im Krankenhaus oder Bewohner eines Altenheimes.
... wer unter einer psychischen Krankheit leidet, die in Zwänge hineinführt.
... der Arbeitsnehmer in seinem Beruf. Lehrer haben Lehrpläne und auch für andere gibt es viele Vorschriften.
... wer äußeren Zwängen unterworfen ist, wie z.B. die Menschen in einer Diktatur.
... wer von seinen Befürchtungen und Trieben beherrscht ist.
... wer von krankmachendem Neid oder übertriebenem Ehrgeiz getrieben ist.
... wer in Abhängigkeiten lebt, von denen es Hunderte gibt.

Auch die geliebte Familie bringt Unfreiheit mit sich. Unsere begrenzten finanziellen Mittel auch. Und niemand hat die Freiheit, mit 100 km/h durch eine Ortschaft zu rasen, denn wir leben auch mit gesellschaftlichen Einschränkungen. Und selbst die christliche Gemeinde ist kein Ort uneingeschränkter Freiheit. Denn absolut frei ist niemand. Jede Freiheit endet dort, wo die Freiheit des Mitmenschen beginnt. Und wo sie an Gottes Gebote stößt, mit denen er unserer Leben ordnet.

„Zur Freiheit hat euch Christus frei gemacht“. Das ist der Jubelruf des Paulus in Galater 5,1. Alle menschlichen Anstrengungen waren und sind zum Scheitern verurteilt. Aber der Satz Jesu (Johannes 8,36): „Wenn euch der Sohn Gottes frei macht, dann seid ihr wirklich frei“ hat sich als wahr erwiesen. Darum der Jubel. Frei von der Knechtschaft des Gesetzes, um Gottes Wohlgefallen zu finden. Sogar frei von der Angst vor dem ewigen Tod.

Wir sollten zwischen „Freiheit VON etwas“ und „Freiheit FÜR etwas“ unterscheiden. Freiheit VON: Wer oder was steuert dich? Wo ist dein „Autopilot“?

Während seines Erdenlebens und bis heute als Auferstandener macht Jesus Christus frei von negativen Bindungen, z.B. frei von Süchten. Und dabei sollten wir längst nicht nur an Alkohol und Nikotin denken. Freiheit von modernen Medien - das ist für manche eine noch größere Herausforderung. Frei ist, wer nein sagen kann, um dann zu erfahren, dass er vielleicht gar nicht nein sagen muss! „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber es darf mich nichts gefangen nehmen“ (1. Korinther 6,12).

Unter dem Einfluss des auferstandenen Christus sind auch Persönlichkeitsentwicklungen möglich, von denen Psychologen nur träumen können. Niemand kennt uns besser als unser Schöpfer. Es gibt Freiheit von falschen Bildern und Prägungen. Z.B. Freiheit von dem Gedanken, es allen anderen immer recht machen zu müssen. Oder dass wir uns Gottes Liebe verdienen könnten.

Frei VON und frei FÜR: z.B. für den Blick über die eigenen Interessen hinaus. Für die Liebe. Für den Dienst. Für das Wirken des Heiligen Geistes in mir.

Es gibt keine Freiheit ohne Bindung. In einem Geschenkbuch zur Hochzeit schrieb ich: „Nimm dir die Freiheit, dich an einen Menschen zu binden, aber binde nie einen Menschen so sehr an dich, dass er keine Freiheit mehr hat“.

Eine gut gewählte Bindung an einen Ehepartner verleiht uns Freiheit. Sie setzt Kräfte frei, Kräfte für die Mitmenschen, für den Beruf. Jede gut gebundene Person, auch durch Freundeskreise etwa oder eine Gemeinde, erlangt Freiheit FÜR. Auch ein bewusst gelebtes Leben als Single kann Kräfte freisetzen. Und wie ist das mit Kindern? Jedes Elternpaar weiß das. Wer Kinder bekommt, bindet sich für lange Zeit. Aber es gibt eben auch die andere Seite: Gerade das Erziehen von Kindern und Leben mit ihnen stellt eine enorme Bereicherung des Lebens dar. „Wahrheit“ präsentiert sich oft in scheinbar Gegensätzlichem. Wir dürfen uns von Gott führen lassen und gleichzeitig vernünftig planen. Christen sind schon jetzt Kinder Gottes, aber noch nicht fehlerlos. Freiheit ist oft nur in Spannungsfeldern zu haben. Es geht darum, in Balance zu leben.

Die größtmögliche Freiheit erreichen wir, wenn wir uns an Jesus Christus binden. Er lehrt uns die Entfaltung des Menschen zum wahren Menschsein. Durch ihn führt Gott uns vor Augen, wie es um uns steht. Wer sich darauf einlässt, gewinnt neue Freiheit. „Die Wahrheit wird euch frei machen“, sagte Jesus (Johannes 8, 32b).

Der Prozess des inneren Freiwerdens geschieht punktuell bei der Bekehrung und ist zugleich ein lebenslanger Prozess. Denn „Zur Freiheit hat euch Christus frei gemacht!“ Wir gewinnen innere Freiheit, wenn wir auf Jesus orientiert leben. Paulus sagte es in Galater 2,20 so: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir “. Ich bin so frei und grüße euch herzlich!
Harald Petersen

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