Bald beginnt die Fastenzeit, die sich der eine oder die andere zur persönlichen Leidenszeit macht, weil er oder sie auf etwas verzichtet – und das ist manchmal gar nicht leicht. Manchen Menschen dient das nur zum Abnehmen. Andere möchten sich beweisen, dass sie auch ohne etwas leben können, was für sie Suchtcharakter hat und einen zu großen, vielleicht sogar riskanten, Stellenwert in ihrem Leben einnimmt.


Längst nicht jeder denkt bei seinem Fasten an die Leidenszeit Jesu Christi. Gelitten hat der Sohn Gottes ja nicht erst am Kreuz. Schon lange vorher war sein Leben davon geprägt.


Es begann eigentlich schon mit seiner Geburt, also mit dem „Abstieg“ aus der Herrlichkeit beim Vater zu uns auf die Erde. Aber war es vor rund 2000 Jahren denn wirklich so schlimm hier? Die Sonne schien da doch auch und Kinder spielten und Familien machten einen Ausflug, Arbeit gab Sinn, Feierabend machte Spaß und gutes Essen schmeckte... Was also war so schlimm für Jesus, er hat doch auch gern mitgefeiert?


Gottes Sohn hat darunter gelitten, dass so viele Menschen aus Gottes erwähltem Volk der Juden ihn nicht als ihren Messias erkannten. Dass sie seinen Worten nicht glaubten, sondern ihm nachstellten und ihn lange vor Karfreitag „auf‘s Kreuz legen wollten“. Er hat darunter gelitten, wenn Menschen miteinander lieblos umgingen und dass sie den Tempel durch regen Handel entehrten. Dass sogar seine Jünger gezweifelt und gestritten haben. Und dass Menschen starben, ohne mit Gott versöhnt zu sein.
Dann, in der Passionszeit, spitzte es sich zu. Unser Herr wurde verfolgt, verspottet, verurteilt, gequ

ält, lächerlich gemacht, verraten und verkauft, angespuckt und verlassen... Schlimmer geht's nimmer, oder?


Doch, denn am Kreuz von Golgatha ist Jesus dann gestorben. Sein Körper hatte kein Leben mehr in sich, man bezeichnet das als den „biologischen“ oder physischen Tod. Schlimmer geht's nimmer, oder?


Doch, denn Jesus ist durch sein Sterben „hinabgestiegen in das Reich des Todes“, wie es im Apostolischen Glaubensbekenntnis heißt. Das bedeutet, dass Jesus auch „theologisch“ gesehen dem Tod begegnet ist und damit von seinem Vater im Himmel abgeschnitten war. Das war viel mehr als körperliches Sterben. Getrennt vom Vater, das war das Schlimmste für den Sohn. Darum schrie Jesus es am Kreuz heraus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“


Dieses gewaltige Ereignis von Karfreitag bis Ostern markiert die Tatsache, dass der Tod besiegt ist, denn unser Herr ist auferstanden. Titus schreibt in seinem Brief (2, 14): „Jesus hat sein Leben für uns gegeben und uns von allem Bösen und von aller Schuld befreit“ (Hfa). Diese Übersetzung lässt erkennen, dass in dem einen Sterben Jesu zweierlei geschehen ist: alles Böse, letztlich also auch der Böse, Satan, als Feind Gottes und der Menschen, ist besiegt worden. Denn der Vater im Himmel hat seinen Sohn an Ostern aus dem Totenreich heraus gerissen.


Zu diesem in jeder Hinsicht einmaligen Ereignis gehört als zweiter Sieg die Vergebung unserer Schuld. Jesus starb, damit unsere Sünde vom Tisch ist. Die alte und die immer wieder neue Schuld.
Der Gottessohn – gelitten, gestorben, hinabgestiegen. Ist das eine himmlische Erfolgsgeschichte? Nein, sagten damals viele Kritiker und heute auch. Weil sie die Auferstehung leugnen.


Interessant, dass Paulus an Timotheus schreibt „Darum schäme dich nicht, dass unser Herr gelitten hat ... Er hat uns gerettet nach der Gnade, die uns jetzt durch die Erscheinung unseres Heilands Jesus Christus offenbart ist, der dem Tod die Macht genommen und unvergängliches Lebens ans Licht gebracht hat“ (2. Tim. 1,7-10, leicht gekürzt).


Es geht nicht, so merke ich mal wieder, über das Leiden und Sterben Jesu zu schreiben, ohne dass ein Schimmer der Osterbotschaft hinein scheint. Und das ist ja auch gut so. Es ist, als würde ich jemandem einen Rosenstil mit seinen Dornen überreichen ohne die herrliche Blüte oben drauf...

Herzlich grüßt ihr/euer Harald Petersen

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.