„Wisst ihr nicht, dass die, die in der Arena laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erhaltet.“
Die Olympischen Spiele waren neben der Fußballeuropameisterschaft der sportliche Höhepunkt des Jahres. Mit dem Gewinn der Vizeeuropameisterschaft im Fußball und mit mehr als 40 Medaillen waren deutsche Sportler ziemlich erfolgreich.Allesamt haben sie für ihren sportlichen Erfolg hart gearbeitet. Hätten sie ein weniger diszipliniertes Leben geführt und weniger trainiert, wären sie leer ausgegangen. Schlaffe Sportler haben nun mal keinen Erfolg. Dass Sportler nicht einfach so zu Siegern werden, wusste man schon in der Antike. Wer an den antiken olympischen Spielen teilnehmen wollte, musste glaubhaft versichern, dass er sich gut auf die Wettkämpfe vorbereitet hatte und er musste geloben, auch während der Spiele entsprechend zu leben und zu trainieren.
Daran erinnert Paulus seine Leser und vergleicht den sportlichen Wettkampf mit dem Leben eines Christen: „Tut alles für den Sieg (V.24). Lebt für den Sieg (V.25), zumal unser Siegeskranz unvergänglich ist.“. Wie ernst es ihm mit dieser Mahnung ist, erkennen wir spätestens, wenn wir den V.27 lesen: „Ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.“
Ich denke nicht, dass Paulus hier zur leibfeindlichen Askese aufruft - so hat man diesen Vers in vormittelalterlicher Zeit und auch später noch verstanden, hauptsächlich in den Klöstern – aber Nachlässigkeit in der Pflichterfüllung und Bequemlichkeit in der Lebensführung sind auch nicht sein Ding. Er ist bereit den Preis zu zahlen, den ein Apostel Christi zahlen muss.
Zur Klarstellung: Es geht in diesen Versen nicht um Gesetze und Gebote, und es geht schon gar nicht um die Frage, was ist schon Sünde und was ist noch rein? Es geht darum, dass jeder einzelne sich selbst fragt, ob er aus Liebe zu Jesus und zur Ehre Gottes bereit ist, sein Potential als Nachfolger Christi zu erhöhen. Das kann damit beginnen, dass ich mein ganzes Leben auf den Prüfstand hebe.
- Meine Zeit: Zeit Ruhe und Erholung sind wichtig, aber wodurch vergeude ich meine Zeit durch Faulheit oder unnütze, vielleicht sogar schädliche Tätigkeiten? Was kann ich tun, um meine Zeit sinnvoller zu nutzen?
- Mein Geld: Ist mindestens der zehnte Teil meines Einkommens konsequent für Gott reserviert? Könnte ich eventuell noch mehr geben, wenn ich weniger Geld für Genuss- und/oder Suchtmittel ausgebe?
- Meine Gesundheit: Welche gesundheitlichen Risiken nehme ich in Kauf, weil mir Spaß und Genuss wichtiger sind?
- Meine persönlichen Ziele: Welche Motive treiben mich eigentlich an?
- Meine Familie: Wie begegne ich meinen Eltern, meinem Ehepartner, meinen Kindern?
- Mein Verhältnis zu meiner Gemeinde: Gehe ich anderen Gemeindegliedern lieber aus dem Weg? Fühle ich mich von anderen übersehen, gar verletzt, vor anderen zurückgesetzt oder insgesamt ausgegrenzt, etc.?
- Mein Einsatz für Gott: Kenne ich meine von Gott geschenkte Begabung? Was tue ich, um meine Gabe zu vervollkommnen? Wann habe ich die letzte geistliche Herausforderung angenommen?
- Mein Leben mit Gott: Welche Note gebe ich selbst meinem Gebetsleben? Wie gut kenne ich meine Bibel? Was tue ich, wenn Probleme auftreten?
Diese Liste der Fragen erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit und will auch nicht den Eindruck erwecken, dass alle Fragen für alle Christen gleichermaßen wichtig sein müssen. Aber jede dieser Fragen weist auf kleine oder größere Möglichkeiten hin, als Christ authentischer und hingebungsvoller zu leben, vorausgesetzt, wir sind zu entsprechenden Veränderungen bereit.
Wenn wir – angekommen im Ziel – den Siegespreis aus den Händen unseres Erretters in Empfang nehmen, werden wir die Gnade Gottes preisen, die uns in aller Gefahr bewahrt und durch alle Schwierigkeiten hindurch getragen hat. Wer allerdings jetzt meint, mit Blick auf die Gnade weniger als seinen ganzen Einsatz bringen zu müssen, sollte sich durch diese Bibelverse sagen lassen, dass das bloße Antreten zum Lauf nicht genügt und den Siegespreis keineswegs garantiert. Was Paulus im Blick auf sein Leben und seinen Dienst ausgesprochen hat, darf auch uns ein Lebensmotto sein: „Alles aber tue ich um des Evangeliums willen, damit ich Teilhaber an IHM werde.“
Karl-Friedrich Seibel





